Ich schreibe wie…

Heute vormittag schickte eine Freundin mir einen Link, auf der man seinen Schreibstil testen bzw. vergleichen kann. Man gebe Briefe, E-Mails, Blogeinträge, Artikel, Tagebucheinträge oder sonst etwas selbst Geschriebenes ein, und schwupps, diagnostiziert eine Maschine, wessen Stil das ist. Je länger, desto zuverlässiger, verspricht die Seite.

Das wollte ich natürlich gleich ausprobieren – zuerst mit ein paar kürzlich versandten Mails. Gleich bei der ersten erschrak ich sehr: Friedrich Nietzsche. Aha. Eine andere Mail an den gleichen Empfänger: Goethe. Oho! Später dann an andere Empfänger, auch geschäftlicher Natur: Theodor Fontane, Alexa Hennig von Lange, Peter Handke und… Charlotte Roche. Ui! Mit den Blogeinträgen und einem Märchen probierte ich es auch: Das war dann „wie“ Sibylle Berg“, Hegel und Thomas Bernhard.
Man ahnt es schon: Jeder Text war geschrieben „wie …“ und ich bekam langsam das Gefühl, dass es mich gar nicht mehr gibt… Immerhin warf mir die Maschine nicht vor, es gäbe gar keinen Stil.

Im Grunde hat mich die Übung recht amüsiert, zumal unter jedem Ergebnis dann auch eine Auswahl von Veröffentlichungen des jeweiligen Autors zu finden ist (soll das eine versteckte Bildungsinitiative sein?).  Doch was ich dann richtig gruselig fand, ist das Zertifikat, das man am Ende – zum Beispiel einer Geschäftsmail – ausdrucken und dann damit „werben“ kann.  Vielleicht sehen wir demnächst Signaturen wie: „Ich twittere wie Sigmund Freud“ – oder so.

P.S. Dieser Artikel ist geschrieben wie Rainald Götz. Mit und ohne Stichwort „Sigmund Freud“. Auf manche Dinge kann man sich eben verlassen.

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