Neulich fragte mich ein Kollege, woher ich “immer diese Informationen” hätte, als ich ihm von meinen letzten Fortbildungen erzählte. Zuerst wusste ich weder, wie er seine Frage gemeint hatte noch wie ich darauf antworten sollte. Dann aber fielen mir zwei Geschichten solcher Wege ein, die ich ihm erzählte. Eine trug sich online zu, die andere offline. Der Verlauf dieser “Reisen” lässt sich im Nachhinein fast nie genau nachvollziehen. Doch am Anfang steht bei mir immer eine Frage (bewusst oder unbewusst), und ein Impuls der Neugierde. Manchmal auch ein Impuls, der ToDo-Liste auszuweichen. Am Ende steht (fast) immer eine Entdeckung, die weiterführen kann oder auch nicht. Die Freude darüber lohnt sich allemal.
Ergebnisse von Prokrastination mit Hintergrundfrage. Und diese präsentieren sich dann als Stück vom Ronjakuchen. Diesen pflege ich seit 1995. In manchen Zeiten kommen ständig neue Dinge hinzu, in ganz harten Zeiten kann ich von den Vorräten zehren. Wie Ronja Räubertochter, die für den Winter vorsorgt.
Hier ein Beispiel so einer Reise – von heute, Sonntag, dem 7. Juni 2009.
Noch etwas schlaftrunken entdeckte ich das Sprichwort von den morgendlichen Falten, das mir Nina gemailt hatte. Das nahm Gonfalef sofort in seine Sammlung auf. Alsdann beschloss ich, mich erst einmal offline zu entfalten. Etwas später schaute ich mir in Heide Liebmanns Blog einen wirklich lohnenswertes Video an, in dem Prof. Peter Kruse darüber spricht, wie man mit einem System in Resonanz gehen kann. Resonanz beschäftigt mich in der letzten Zeit immer mehr – die Vorstellung, dies etwas systematischer und bewusster als bislang zu betreiben, finde ich reizvoll und erprobenswert. Daher klickte ich dann weiter in meinen liebsten Blogs herum, fand bei Frank Obels wieder einmal ein Stichwort, das mich anhüpfte – es war “Seelenplan”. Leider blieb ich in diesem Punkt in seinem Blog etwas hungrig und suchte weiter nach (Lese)Futter. Da Känguru-Chroniken bei read it – dort war ich schon lange nicht mehr. Zum Artikel über das Verstauen der Bücher zog es mich als Erstes, denn darüber denke ich selbst gerade nach. Aha! Das war eine Blogparade. Vielleicht würde ich dort ein paar Anregungen finden. Wie machen es die anderen? Das Sortieren der Autoren nach Geburtsdatum erinnerte mich an den Helden aus Nick Hornby’s High Fidelity, der in Zeiten emotionaler Belastung gerne seine Plattensammlung nach irgendwelchen abstrusen Kriterien neu ordnet. Das Auffinden dieser Textstelle bescherte mir mein eigenes schallendes Gelächter, ich fühlte mich auf mysteriöse Weise ertappt. Schließlich las ich auf dem exzellenten aus.gelesen, wie flattersatz seine Bücher sortiert. Warum mir ausgerechnet gleich danach in seiner rechten Spalte der Artikel über Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern auffiel, kann und will ich mir nicht erklären. Ich habe diesem Artikel auch nicht viele Worte hinzuzufügen, denn spricht schon für sich. Doch dass mich aber angesichts dieser skurrilen Form, sich Lust zu verschaffen, die Neugier packte, versteht sich von selbst. Ich bin kein Mann, und ich habe keinen Koboldstaubsauger, die Neugier war also eher geistiger Art und ich folgte den Quellenangaben, während sich in meinem Kopf Worte formten, die ich hier zum Besten gebe (natürlich mit einem Dank an den großen Meister):
Hat die Koboldmeisterin
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun soll ihr Instrument
Auch nach meinem Willen leben
Ihre Wort und Werke
Merkt ich und den Brauch,
und mit Mannesstärke
tu ich Wunder auch.
Sauge! Sauge!
Kleiner Kobold,
Dass, zum Zweck
Erregung fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zum Orgasmus sich ergieße.
Seht, da kommt er saugend wieder
Wie ich mich nur auf ihn werfe
Gleich, o Kobold, lieg ich nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun muss ich hoffen,
atme nicht mehr frei!
Wehe! Wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte!
Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass der Artikel zwar ein Highlight, bei weitem aber doch nicht das einzige dieser Art in diesem Blog ist. Mir gefallen viele der persönlichen Rezensionen sehr, und ich werde Read-it und aus.gelesen jetzt gleich auf meine “Wohin?”-Liste setzen. Danke an alle für diesen schönen Sonntagsausflug