… ‘n blaues Flugzeug geflogen,
und ein Zaubrer steigt aus
ganz in weiß.
Er will mir gratulieren,
ein paar Filme vorführen
und er schenkt allen Eskimo-Eis.
Das ist die zweite Strophe vom Geburtstagslied. Ursprünglich ein russisches Lied, das von der Trickfilmfigur Krokodil Gena gesungen wird und von Gerhard Schöne ins Deutsche adaptiert wurde.
Und es kam dann auch ein bisschen wie in diesem Lied. Es regnete, ich war allein an diesem Abend – das hatte sich mehr oder weniger so ergeben. Eigentlich wollte ich in in ein Konzert der russischen Gruppe Talisman (News Gypsy), die ich noch nicht kannte. Weil ich aber so weit hätte fahren müssen und dann nicht mehr wollte, entschied ich mich für den Jazzklub Ettlingen, den ich ebenfalls noch nicht kannte, ebensowenig wie Klaus Ignatzek, Susanne Menzel und Peter Cudek. Hier traf ich vom ersten Moment an auf einladende Freundlichkeit, unkonventionelle Räumlichkeiten und entspannte Atmosphäre. Ich hatte gut gewählt, hier fühlte ich mich auch als “Alleinreisende” willkommen und sofort wohl. Das Konzert gehörte zu den besten und berührendsten, die ich im reinen Jazz bisher erlebt habe. Zu Anfang war die Stimmung noch verhalten – norddeutsches Temperament entfaltet sich selten in den ersten Minuten, wie ich als Landsfrau ja weiß. Die drei Musiker freuten sich offensichtlich, miteinander zu musizieren. Die Freude und die sichtbar große Wertschätzung füreinander übertrugen sich ziemlich schnell auf das Publikum. Klaus Ignatzek schenkte uns atemberaubende Improvisationen, aber auch achtsame Begleitungen für die anderen Musiker. Susanne Menzel war mit ihrem Gesang und ihrer Präsenz für mich auf faszinierende Weise eindringlich und gleichzeitig unaufdringlich – mit Texten und Stimme. Und Peter Cudek, der junge slowakische Bassist, beeindruckte mich mit seiner sinnlichen Art, sein Instrument zu spielen, seine Musik zu *sein* und Beziehung zum Publikum herzustellen. Ein genußvoller Abend. Das einzige, was dem Jazzklub Ettlingen aus meiner Sicht noch fehlen mag, ist eine kleine Auswahl guter Rotweine (ich entschied mich für Pils) und ein mitfühlender Grafikdesigner, der das Programm einmal in gestalterischer Hinsicht überarbeitet. Inhaltlich halte ich persönlich das Programm für perfekt und war sicher nicht zum letzten Mal dort.
Dann bot der Abend noch eine köstliche Überraschung. Ich traf dort Bekannte, Freunde meiner Freunde, die ich zuerst gar nicht erkannt hatte, weil wir uns so lange nicht mehr gesehen hatte. Aber dann erkannte ich sie doch und sie mich. Nach dem Konzert entschlossen wir uns, zusammen noch einen Absacker trinken zwitschern zu gehen und auf meinen Geburtstag anzustoßen. Das taten wir dann in der Karlsruher Hemingway Lounge, wo es bei Quittensaft, Pils und Mojito noch richtig lustig wurde. Klaus Ignatzek hatte uns mit seinen Improvisationen zu eigenen inspiriert, und dies war unschlagbar. So ein großartiger Abend hätte sich nicht planen lassen und bestärkt mich darin, öfter mal allein loszuziehen und zu gucken, was passiert
