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Gut gemeint…

Heute Vormittag schickte mein Mobilfunkanbieter eine sms. Oh! Ein Geschenk! “Einfach so”, stand da, “um Danke zu sagen. Weil Sie es sind”. Aha…

Man offerierte mir einen Song statt Klingelton im Werte von 1,99, den meine Anrufer statt des nervigen Tuut-tuut hören würden. Es handelt sich um Tim Bendzkos “Wenn Worte meine Sprache wären”. So machte ich mich erst einmal schlau, denn ich kannte den Titel nicht. Das offizielle Video – sehr schön gemacht, ein netter Song. Aber als Freizeichenton auf meinem geschäftlichen Handy? Meinem? Skurril, und als Humor liebendes Wesen musste ich auch erst einmal lachen, denn:

Wer würde wohl einen Übersetzer beauftragen, der via Tim Bendzko verkünden lässt, dass er keine Worte hat?
Wer würde einer Beraterin / Therapeutin seine persönlichen Themen anvertrauen, die singen lässt: “Worte sind nicht meine Sprache”? Wo man doch erwarten würde, dass sie hilft, die richtigen Worte zu finden?

Ein klassischer Fall von “gut gemeint”. Doch die Sache ist (wie immer) nicht nur lustig. “Gut Gemeintes” geht ziemlich oft und ziemlich schnell nach hinten los, wenn der Gutmeinende den Gutzubemeinenden aus dem Blick verliert – aus welchen Gründen auch immer (und da gibt es viele). Das Ergebnis ist sehr oft unerquicklich…

Bewährt hat sich für mich inzwischen die innerliche Frage: “Für wen ist das gut?”  Ist es für alle Beteiligten gut, so ist das fein und ein Grund zur Freude. Ist es nur für den Gutmeinenden gut, kommt es sicher auch ein wenig darauf an, wer es ist. Das kann unter Umständen anspruchsvoll sein und einige Kreativität erfordern. Im Umgang mit dem “Geschenk”, mit dem Gutmeinenden, vor allem aber mit sich selbst.

Im vorliegenden Fall freue ich mich einfach, dass ich jetzt weiss, wie der Song klingt und lasse es darauf beruhen. Nicht immer liegen die Dinge ganz so einfach.

Berufsberatung vernünftiger Zeitgenossen

Kaum macht man / frau sich ernsthaft Gedanken darüber, was man als Nächstes tun möchte (schließlich ist die Zeit der Berufe fürs Leben für die allermeisten Menschen vorbei), und kaum spricht man über Ideenpflänzchen, die da im Hirn sprießen, sind sie auch schon da, die wohlmeinenden Berufsberater mit ihren Rat-Schlägen. “Kannst du denn damit Geld verdienen?”, ist da zu hören. “Du darfst nicht zu viele Dinge wollen, dann verzettelst du dich!”, oder auch sehr gerne “Besinne dich auf deine Stärken!”. Mein liebster aber ist: “Mach, was du am besten kannst!”.

Also, ich zähle mal auf, was ich am besten kann:  zuhören, gehorchen (schon zu Hause gelernt), so tun, als sei ich pflichtbewusst, flexibel, höflich, nett, brav und unauffällig sein (Sei wie das Veilchen im Moose…), mich an die Umwelt anpassen, mich schön ruhig verhalten, auch gerne das Gegenteil: rebellieren, abhauen, Brücken abreißen, aber auch Sprachen lernen, mich vollkommen in eine andere Kultur einpassen, anderen Menschen die Bedürfnisse von den Lippen ablesen (auch schon zu Hause gelernt), dafür sorgen, dass die Menschen Essen und Trinken bekommen, meine Wohnung aufräumen, beim Kochen gleichzeitig die Küche aufräumen, ohne sämtliches Geschirr auszubreiten, ein Essen zaubern, auch wenn “nichts” mehr im Kühlschrank ist, geduldig Software ausprobieren, bis ich es morgens um vier irgendwann endlich hingefriemelt habe, dabei allerdings Essen, Trinken und Schlafen vergessen habe, ich kann schnell tippen, ohne das Zehnfingersystem gelernt zu haben… Das sind nur mal einige der Dinge, die ich gut kann. Na, haben Sie jetzt auch Tipps und Rat-Schläge, welche Berufe ich daraus machen kann? Vielleicht sogar dazu eine Prognose, wie glücklich mich das machen wird? Ich sage gleich, dass ich nur an einer einzigen der aufgezählten Sachen wirklich Spaß habe – im Ernst! – obwohl ich das alles ja hervorragend kann.

Vielleicht entsteht mit diesen Tipps und Rat-Schlägen eine andere Biografie für einen späteren Roman. Meine soll es allerdings nicht werden.

Ich habe nämlich vor, die gut gemeinten Rat-Schläge vernünftiger Zeitgenossen freundlich zur Kenntnis zu nehmen, sie respektvoll dort abzulegen, wohin sie gehören und dann das zu tun, was mir gefällt.  Das ist nicht unbedingt das, was ich jetzt schon gut kann – aber gelernt habe ich immer gerne ;-)