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MS Labyrinth

Es fing damit an, dass ich Käpt’n Blaubär hören wollte. Plötzlich erklärte mir mein PC, dass er kein CD-Rom-Laufwerk mehr hat. Das sah ich nicht ein, denn er hatte eins. Gut, dachte ich.  Ein PC tickt manchmal wie ein Mensch. Manchmal sehen Menschen ja auch nicht mehr, was sie eigentlich haben. Also brachte ich ihn zum Doktor. Dann fiel mir ein, dass ich kürzlich i-tunes installiert hatte, weil ich meine neues i-phone installieren und aktivieren wollte. Ob das wohl damit zusammen hing? Mein altes Telefon kränkelte ohnehin schon, und ich hatte die sms kurz nach Weihnachten nicht verstanden, als mir eine kryptische Absendernummer mitteilte, dass die Bestellung xyz ausgeliefert sei. Aha, dachte ich. Wo und was soll das sein? Ich hatte einige Bestellungen in den letzten Tagen aufgegeben. Woher sollte ich wissen, was diese Nummer bedeutet? Ich hatte kein Paket bekommen (im Nachhinein verstand ich: mein Handyvertraganbieter wollte mir mitteilen, dass ich das Austauschgerät abholen kann…).

Also, das CD-Rom-Laufwerk funktionierte wieder, aber durch eine Millisekunde Unaufmerksamkeit fing ich mir einen Trojaner mit der unangenehmen Eigenschaft ein, sich immer wieder selbst zu installieren und nach und nach alles durcheinander zu bringen. Meine Gegenmaßnahmen führten dazu, dass irgendwann eine wichtige Datei verschwunden war und dass der PC gar nicht mehr startete. Wieder brachte ich ihn zum Doktor. Der hat das Schlimmste verhindert, sagte mir aber, wenn ich keinen Ärger will, muss ich mir innerhalb eines Monats was einfallen lassen. Und plötzlich wurde mir das Pulverfass bewusst, auf dem ich bisher gesessen hatte. Wenn das mal hochgeht, dann sind die nächsten 2 Arbeitswochen gelaufen. Das erlebe ich grad.  Und dabei habe ich noch Glück – meine Daten sind (bisher) nicht verschwunden… Dass Dinge in diesem Universum getrennt voneinander existieren könnten, halte ich seitdem erst recht für eine Illusion. Jede auch noch so winzige Entscheidung hat Folgen, die oft in dem Moment noch gar nicht zu überblicken sind. Und irgendwann bekommt man so ein Sisyphos-Gefühl….

Wann diese Dinge mal – zumindest provisorisch – abgeschlossen sein werden, weiss ich nicht. Was ich aber ahne ist, dass dieser ganze PC-Kram einem Garten ähnelt. Er wird nie fertig. Und manchmal, wenn wir im Garten einen Baum abschlagen müssen, fällt uns auf, dass wir auch die Wurzeln irgendwie herausziehen müssen. Dann bestellen wir Menschen mit schwerem Gerät, die alles ausbuddeln, und statt einfach einen neuen Baum zu pflanzen, finden wir Menschenknochen in dem Loch. Dann können wir nicht einfach einen neuen Baum draufsetzen, sondern müssen entscheiden, was wir damit tun. Rufen wir die Polizei? Oder recherchieren wir lieber selbst? Oder bedrängen wir den Menschen mit dem Baggerfahrer, das zu tun? Und welche Konsequenzen hat jede dieser Entscheidungen? In jedem Fall könnte sich zum Beispiel auch herausstellen, wie im Roman, dass die Menschenknochen was mit unserem Leben zu tun haben. Obwohl wir nicht darum gebeten haben, dass ein Sturm kommt und den Baum einfach umpustet, und wir Dinge erfahren, um die wir ebenso wenig gebeten haben.

Hilft es, da einfach auf das System der Verführung, das mit dem angebissenen Apfel, umzusteigen? Ich weiß es nicht. Heute bekam ich von einem Kollegen eine Adressliste gemailt, die in einem Format abgespeichert war, das mein PC nicht erkannte. Eine neuere Version von MS Office offensichtlich. Ich bat ihn, das Ding noch mal zu schicken. Statt dessen bekam ich eine Beschreibung, was zu tun ist in diesem Fall.  Es gäbe da so ein ganz einfaches Programm von Microsoft, das da und da zu finden wäre, und da würde auch die Beschreibung dabei stehen. Alles wäre ganz einfach und hoffentlich eine Lösung. Dieses “ganz einfach” geht immer von Voraussetzungen aus, bei denen man sich ziemlich sicher sein kann, dass man irgendeine davon erst einmal erfüllen muss, bevor man das eigentlich Problem gelöst hat. Und bevor man diese Voraussetzung erfüllen kann, muss man eben noch dieses und jenes tun…  Nach etwa zwei Stunden Installieren und Problemelösen habe ich meistens vergessen, was ich eigentlich wollte. In meinem heutigen Fall war es das Lesen und Speichern einer Adressliste, die ich genau so gut hätte auf Papier kopieren können.

In jedem Fall wäre meine Bestellung beim Universum, dass jemand mal eine Software erfinden möge, zum Beispiel mit dem Namen “MS Labyrinth”, die die Dinge mal vereinfacht,  anstatt sie immer und immer komplizierter zu machen, ohne dass man gleich entweder 25 Wochenenden im Jahr oder ein Vermögen opfern muss. Ist das anmaßend?

Und, bevor ich es vergesse: weshalb schrieb ich eigentlich diesen Artikel….?

Helle Fenster – oder Der Apfelbaum Herbert

So, und hier möchte ich mal zum 1001. Male Gerhard Schöne würdigen – der mich seit meiner frühen Jugend (und das ist schon ein paar Tage her) begleitet.

Diese Zeilen lernte mein lieber Freund G.G. als erstes auf deutsch. Diese Zeilen bekam ich einst in einer Vorabversion nach Hause geschickt, als Dankeschön von Gerhard Schöne, diese Zeilen verlor einst die SNCF, als ich mein Gepäck an meinen neuen Wohnort nach Frankreich schicken ließ (das war unersetzliches Gepäck…), und diese Zeilen wollte ich hören, als ich aus Westfrankreich nach Paris reiste um Gerhard Schöne zu hören…. Lasst Euch die Lieder nicht entgehen – auf youtube oder direkt bei http://www.buschfunk.com ! Viel Spaß!

Weitere Favoriten: Vielleicht wirds nie wieder so schön, Ganz einfach, oder auch Der Popel, ein mexikanisches Kinderlied!