1. Unmöglich, so vor die Tür zu gehen. Mit flamingofarbener Pampe auf dem Kopf sehe ich aus wie irgendwas zwischen Pumuckl und Macky. Schleiche ich mich für eine Zigarette in die winzige Küche bei meinem Frisör. Hier läuft die Waschmaschine, die Haarfarbe in der Schale auf der Spüle verändert sich zusehends von flamingo in dunkellila (so muss es gerade auf meinem Kopf auch aussehen, ich hoffe wie jedesmal, dass das nicht so bleibt), ein paar gebrauchte Tassen stehen herum, der Geburtstagskalender ist mit Tesa an die Tür geklebt. Hier und da eine Handtasche, Farbenkataloge, Tüten mit belegten Brötchen, Feuerzeuge. Alle kommen hin und wieder mal her zum Durchatmen. Erfrischendes Chaos hinter den Kulissen. Ich darf dabei sein und genieße das unverbindliche und doch herzliche Gespräch über dies und das. Der Ton ist hier ein klein wenig anders als “draußen” im Salon. Einen winzigen Tick entspannter.
2. Das Buch auf dem Brettchen vor dem Spiegel wirkt. Niemand bringt mir unaufgefordert “was zu lesen”. Das Buch liegt da gut. Es hat seine Funktion erfüllt – ich kann in aller Ruhe hören und sehen.
3. Die Pampe wird ausgewaschen. Diese Kopfmassage ist das Allerschönste, jedes Mal. Ich schließe die Augen, genieße das Kribbeln bis in die Füße. Diese Menschen lieben ihren Beruf. Das ist ansteckend.
4. Der leicht verwunderte Kommentar meines Frisörs: “Dein Blick ist so anders als sonst.” Ich grinse in mich hinein. Vergesse leider zu fragen, was genau anders ist. Die Neugier war dem Wohlgefühl in diesem Moment gewichen.
5. Ich strahle in den Spiegel. Habe wieder eine Frisur, die diesen Namen verdient. Das “vergessene Schaf” ist Vergangenheit.
6. Heimweg per pedes – ein Mittagsspaziergang, durch einen kleinen Park zwischen den Häuserzeilen. Ein kurzer Mensch (vielleicht anderthalb oder zwei Jahre alt) mit einer gigantischen Ausstrahlung läuft 50 Meter vor mir über den Weg. Allein. Steht dann unter einer Pergola und brüllt: “Ball! Ball! Ball!” oder ist es “kalt! kalt! kalt!”? Ich frage mich, ob er da wohl ganz allein ist, doch dann höre ich eine etwas ältere Stimme antworten. Als ich näher komme, sehe ich das konzentrierte Gesicht, und mit einer unfassbaren Ernsthaftigkeit schaut er mir direkt in die Augen, zeigt mit der linken Hand auf mich und brüllt: “Paul! Paul! Paul!” Dann lacht er. Ich auch. Wir strahlen uns an, winken uns zu, und ich kicher noch zehn Minuten lang vor mich hin. Mit und ohne Grund.

Diese kleinen Glücksmomente sind die allerallerschönsten. Danke, dass du mich daran erinnert hast.
Liebe Grüße, Patricia
Das freut mich sehr! Ja, ich brauche manchmal auch eine kleine Erinnerung. Aber an Tagen wie gestern geht das von allein
Freu mich schon auf deine nächste Mail vom Meer
Liebe Grüße!
Trefflicher Glücksmoment Nummer 3 wär für mich der Schönste gewesen…
@Paul: na, ich glaub Moment Nummer 6 Teil 2 auch, oder
?
Danke Dir! Ich liebe Deine Geschichten sehr! Auch ich danke Dir für’s wieder-daran-erinnern! Ganz liebe Grüsse, Eva
Vielen Dank, liebe Eva
Das freut mich sehr!