Gestern entdeckte ich einen Artikel über den so genannten Tunnelknall und war fasziniert von dem Phänomen, das mir bislang unbekannt war. Nun wohne ich nicht direkt am Ausgang eines Tunnels, durch den Hochgeschwindigkeitszüge fahren und halte mich auch sonst selten an solchen Orten auf.
Hier ein Auszug: Als Tunnelknall (engl. tunnel boom) bezeichnet man ein physikalisches Phänomen, welches beim Hochgeschwindigkeitsverkehr durch Eisenbahntunnel auftritt. Bei Einfahrt von Fahrzeugen mit sehr hoher Geschwindigkeit in einen Tunnel entsteht eine Druckwelle, die dem Zug mit Schallgeschwindigkeit vorauseilt und am Tunnelausgang zu einem explosionsartigen Knall führen kann.
Mehr dazu hier.
Beim Lesen konnte mich der Frage nicht erwehren, ob diese Erscheinung wohl Analogien in anderen Lebensbereichen aufweist, wie es ja oft der Fall ist bei Phänomenen, die die Naturwissenschaft untersucht.
Eingefallen sind mir dabei plötzliche Veränderungen, die im Leben eines Menschen, einer Organisation oder einer Gesellschaft auftreten. Sie brechen ja auch manchmal mit blitzartiger Geschwindigkeit über einen herein, und je nachdem, wo sie einfahren und wie eng oder breit der Tunnel ist, durch den sie geleitet werden, wäre es doch durchaus denkbar, dass so etwas wie ein Knall am anderen Ende der Leitung entsteht? Man stelle sich folgende (natürlich völlig hypothetische) Fälle vor:
1. Die Geschäftsleitung eines Unternehmens lässt in kleiner Runde verlauten, dass 50 Prozent des Personals abgebaut werden soll. Einstweilen soll dies eine geheime Nachricht bleiben, das gelingt aber nicht. Die Information schießt blitzartig durch den Flur (einen manchmal recht engen „Tunnel“). Am Ende des Flurs … eine Art Knall.
2. Am Samstag Abend, drei Tage nach der Erkenntnis, dass man zu den 50 Prozent gehört, schaut man apathisch in den Fernseher und realisiert plötzlich, dass man sechs Richtige im Lotto hat. Zehn Millionen Euro! Die Nachricht bahnt sich ihren Weg durch die Synapsentunnel. Wo es in diesem Fall knallt, kann man wohl nicht mit Sicherheit sagen. Die Tunnel sind ja bei jedem anders.
Natürlich ließe sich diese Liste beliebig erweitern. Gemeinsam scheint mir allen Fällen zu sein, dass der Knall am Ende des Tunnels übermäßig stark, übermäßig laut, übermäßig zerstörerisch wirken kann.
Die schnelle Veränderung ist in vielen Fällen ja erwünscht, die Druckwelle nimmt man in Kauf, aber das Knallsymptom, nein, das nicht, dagegen muss was getan werden.
Die kreativen Lösungen der Bahningenieure finde ich beeindruckend. Wieder aber entstehen bei mir Fragen:
Sind das tatsächlich Lösungen?
Bringen die uns weiter?
Lässt sich davon etwas ins nichttechnische Leben übertragen? Zum Beispiel Einhausungen am Ende des Portals? Oder aerodynamische Bugformen der Nachrichtenübermittler, um die Druckwelle abzumildern? Diese Vorstellung hat was Gruseliges, gleichzeitig aber wunderbar Absurdes.
Das Pragmatischste aus der ganzen Liste scheint mir die Herabsetzung der Einfahrgeschwindigkeit. Wahrscheinlich auch im „richtigen“ Leben. Aber da hier Tunnel viel öfter vorkommen, frage ich mich, ob wir dann im persönlichen Leben Hochgeschwindigkeitszüge brauchen.
Die Frage muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Petra Schuseil, die in ihrem Blog und auch sonst nach Antworten auf das richtige Lebenstempo sucht, weiß vielleicht mehr darüber.
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