Hagebuttensenf

Beiträge vom Juni 2009

Bodhisattva in der Metro

29 Juni 2009 · 1 Kommentar

Soeben flog mir dieser Link aus einem Netzwerk zu. Falls Ihr mal nichts zu tun habt, fahrt doch einfach mal Metro. Das lohnt sich :-) Viel Freude beim Schauen!

Dieser Mann hörte wohl die Schmetterlinge lachen

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Pendelgeschichte…

24 Juni 2009 · 4 Kommentare

gestern war heute morgen.

Morgen würde alles anders sein. Morgen abend hätte ich die Lektion durchgearbeitet, hätte wie geplant 2 Stunden gelernt, Briefe geschrieben und vielleicht auch den Brief erhalten, auf den ich schon so lange warte. Endlich die Antwort, und wieder Herzklopfen, das ich so mag, das mich durch die Wohnung hüpfen und vor lauter Freude und Energie vibrieren lässt. Tausende Ideen würden kommen und ich hätte Mühe, sie alle in dem Buch festzuhalten, damit sie übermorgen jemand umsetze. Ich würde Sport machen und auch dabei die Füße am Boden haben – ich würde tanzen, ganz für mich allein, mich lebendig fühlen, ich würde meine Freunde anrufen und neue Kontakte knüpfen. Ich würde Termine ausmachen, meinen Wochenplan schreiben und Konzepte und schon einmal über einen neuen Jahresplan nachdenken. Neugierig recherchieren, ein schönes Essen kochen, und dann auch noch das Geburtstagsfest und das Klassentreffen planen. Und hatte da nicht jemand Geburtstag morgen?

morgen wird heute gestern sein.

Gestern war ich unruhig, schaute alle zwei Minuten in die Mailbox, aber da kam kein Brief und auch kein Anruf. Ich warf mir vor, meine Stimmung von dem Brief abhängig zu machen. Ich fand mich so bescheuert. Ich lief ins Bad, fand das Gesicht, das ich im Spiegel sah, überhaupt nicht lustig und unternahm panisch alles Mögliche, um den Schaden zu begrenzen. Ich quälte mich in fünfmal so viel Zeit wie nötig durch Texte und Kapitel und schaffte nicht einmal die Hälfte. Ich starrte dumpf auf den Bildschirm und fand all die Pläne überhaupt nicht mehr wichtig. Gestern hatte ich keine Zeit mehr und musste zu einem Termin. Den Geburtstag vergaß ich.

heute ist heute ist heute.

Wann ist heute? Wann freue ich mich über das Hier und jetzt? Kann ich heute loslassen und weder auf mich noch auf die anderen böse sein? Wer erlaubt, dass ich Gott spiele und daran verzweifle? Wo ist die Mitte? Heute? Jetzt? Hier? Unabhängig von den anderen? Unabhängig von einem Brief? Wie geht es anders? Ich wusste es doch noch vorgestern…

Heute habe ich aufgeräumt. Erst einmal mein Arbeitszimmer. Dann innen. Heute fühle ich mich aufgeräumt. Es ist 23.57 Uhr. In drei Minuten ist…

…morgen…

…wird alles anders. Morgen stehe ich früh auf. Esse Frühstück, erledige zwei wichtige Sachen, arbeite die Lektion durch, koche mir ein schönes Essen, schreibe einen Brief, rufe die Eltern an….

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Wie man die Krise lösen könnte…

18 Juni 2009 · Kommentar schreiben

Diese Geschichte flog mir von einem befreundeten französischen Arzt zu. Ich fand es lohnenswert, sie ins Deutsche zu übertragen.

In einem winzigen Dorf irgendwo auf dieser Welt lebten die Menschen vom Tourismus. Doch durch die Wirtschaftskrise kamen keine Touristen mehr ins Dorf. Also borgte jeder von jedem um zu überleben. So vergingen Tage, Wochen, Monate – mehr schlecht als recht.
Eines Tages erschien endlich ein Tourist, der im Dorfhotel ein Zimmer buchte. Wie sich da der Hotelbesitzer freute!
Der Tourist bezahlte sein Zimmer im Voraus mit einem Hundert-Euro-Schein. Kaum war der Reisende auf sein Zimmer gegangen, lief der Hotelbesitzer mit dem Schein zum Fleischer gegenüber, dem er just hundert Euro schuldete. Gleich brachte der Fleischer den Schein zum Bauern ein paar Häuser weiter, der ihn gewöhnlich mit Fleisch beliefert.
Der Bauer rannte zum Straßenmädchen, der er eben noch diese Summe schuldete.
Alsbald beeilte sich die Dame, beim Hotelbesitzer ihre Schulden zu begleichen, denn einige Male hatte sie für eine Stunde ein Zimmer gemietet.
Sie hatte gerade den Hundert-Euro-Schein auf den Tisch gelegt, als der Reisende an die Rezeption kam, um dem Hotelbesitzer mitzuteilen, dass er gerade einen Anruf von seinem Chef bekommen habe und sofort wieder abreisen müsse. Er nahm seinen Hundert-Euro-Schein und verschwand.

Kurzum, in dieser Geschichte hat offensichtlich niemand etwas ausgegeben und niemand etwas verdient. Und doch hat keiner mehr Schulden in diesem kleinen Dorf.

Vielleicht ließe sich auf diese Art die Wirtschaftskrise lösen?

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Wegbereiter, Wegbegleiter, Zauberer

17 Juni 2009 · 2 Kommentare

Es muss ein Frühlingstag im Jahre 1993 gewesen sein. Da lebte ich 250 Kilometer von Paris entfernt. Eine Freundin erzählte mir von einem Konzert, das Gerhard Schöne bald in Paris geben würde. Am Goethe-Institut.
Seit langem liebte ich seine Lieder und fühlte mich im Westen Frankreichs dann doch etwas abgeschnitten von meinen Wurzeln. Für mich war es das Ereignis des Jahres.  Mir ging es gerade gar nicht gut und schon immer war es mir nach dem Genuß seiner Lieder besser gegangen als vorher. Ich wusste, ich MUSS da hin. Also kratzte ich meine letzten Francs zusammen, setzte mich in den TGV und fuhr los.

Viele Deutschlehrer, Deutschstudenten, Deutsche sollten kommen. Man hatte einen recht großen Saal in den Hallen der avenue Iéna eingeplant. Marion und ich, beide aus der gleichen Kleinstadt in Vorpommern, mit fast dem gleichen Lebenslauf bis dahin, nur um ein Jahr versetzt, kauften aufgeregt und erwartungsvoll unsere Karten. Dann traten wir ein. Der Saal war fast leer. In meiner Erinnerung waren von den ungefähr 500 Plätzen allerhöchstens 40 besetzt. Die vorderen Reihen waren leer geblieben. Empörend. Wir konnten es nicht verstehen.

Dann kam Gerhard Schöne auf die Bühne. Es war ein Soloprogramm. Die Gitarre war angestöpselt und er guckte zunächst etwas ratlos auf die Menschen, die gekommen waren.  Doch das dauerte nicht lang. An die genauen Worte, die folgten, erinnere ich mich nicht. Doch es klang entschlossen. Er wollte mit uns in einen kleineren Raumumziehen. Die Würdenträger des Goethe-Instituts zierten sich ein wenig, dann schnappten wir alle unsere Sachen, Gerhard Schöne stöpstelte kurzerhand die Gitarre ab und zog mit uns in einen normalen Seminarraum um, der plötzlich, mit etwa 40 Leuten gefüllt, sehr heimelig wirkte. Er sang einfach los. Eine Stimmung zwischen Wohnzimmersingen und Lagerfeuer breitete sich aus. Ich weiß es nicht mehr ganz genau, aber es könnte sein, dass der Raum plötzlich heller wurde. In mir drin aber auf jeden Fall. Ich bewegte die Lippen zu den Texten, die ich fast alle auswendig konnte. Singen habe ich mich nur getraut, wenn das Publikum dran war. Das waren dann doch wenige Einsätze. Selten habe ich ein Konzert erlebt, das mir so unter die Haut ging.

Plötzlich konnte ich auch fühlen, dass es das Land, in dem ich aufgewachsen war, nicht mehr gab. Ich hatte es kurz vor seinem Ende hinter mir gelassen, denn ich war im August 1990 nach Frankreich ausgewandert, angezogen vom Abenteuer und  dem Land, dessen Sprache ich bereits 5 Jahre studiert hatte, ohne es sehen zu können. Aber auch angewidert von vielen Vorgängen in meinem Land.  Nicht nur  den Rausch nach Coca-Cola, Bananen und Begrüßungsgeld fand ich von der Höhe meiner 23 Jahre aus gesehen widerwärtig.  Nein, es war noch etwas anderes, über das ich schon hier geschrieben habe. Diese Verfolgungsjagd, denen sämtliche ehemalige SED-Mitglieder, undifferenziert nach dem Gießkannenprinzip, ausgesetzt waren, hatte mich völlig aus der Fassung gebracht. Noch heute kann ich dieser Wut nachspüren.  Ich schrieb einen flammenden Brief an die „Junge Welt“ (die Jugendzeitung in der DDR) und bat darum, den Text „Meine Rache“ abzudrucken.  Für mich war dieser Leserbrief eine Art von Outing. Wir waren es nicht gewohnt, öffentlich die Stimme zu erheben. Das machten zum Teil die Liedermacher für uns. Auch dafür liebten wir sie.

Mein Brief und der Liedtext wurden in voller Länge abgedruckt. Gerhard Schöne hatte das gelesen und mir einen kurzen, aber sehr herzlichen Brief geschrieben, dem zwei noch unveröffentlichte Texte beilagen. Das hat mich wirklich glücklich gemacht.
Zusammen mit ein paar Kassetten aus Kuba und einigen anderen ganz persönlichen Schätzen hatte ich ihn bei meiner Auswanderung in einen Rucksack gepackt.  Diesen Rucksack gab ich zusammen mit zwei Koffern bei einer innerfranzösischen Zugreise auf. Die Koffer kamen an, der Rucksack wurde nie mehr gefunden. Ich habe viele Jahre gebraucht, um diesen Verlust zu verwinden.

Das erzählte ich Gerhard Schöne dann in Paris persönlich.  Dieses kleine Gespräch war für mich sehr bedeutsam, und so etwas vergißt man nicht. Auch wenn ich mich nicht mehr erinnern kann, worüber wir sonst noch gesprochen haben. Aber das ist auch gar nicht wichtig.
Marion und ich wollten ihn auf einen Absacker in Paris einladen, und ihm ein Stückchen von unserer damaligen Welt zeigen. Leider schlug er die Einladung aus, und wir verstanden, dass er müde war, ins Hotel und ausruhen wollte. Traurig und perplex waren wir dann, als wir ihn etwas später auf dem gegenüberliegenden Metro-Bahnsteig zusammen mit diesem Unsympathen, der zu allem Überfluß noch ein Landsmann von uns war, weggehen sahen, der auch im Konzert gesessen hatte. Ich weiß nicht mehr, wie wir das interpretierten, bedauerten aber eine ganze Weile noch unsere mangelnde Chuzpe.  Doch wir haben es schweren Herzens hingenommen.

Seither habe ich kein Konzert mehr mit ihm gesehen. Das liegt aber nicht an dieser Episode, sondern vor allem daran, dass ich selten in meine alte Heimat fahre und Konzerte im Süden Deutschlands extrem selten sind. Woran das genau liegt, kann ich nur in verschiedenen Varianten vermuten. Allerdings hätte ich das gerne anders.

Denn noch heute, fast 20 Jahre nach dem Mauerfall, haben seine Lieder für mich nichts von ihrem Zauber verloren. Die allermeisten empfinde ich als zeitlos – als ob sie mit mir mit gewachsen sind.  Alte Kleider kommen irgendwann in den Container. Alte Schlager werden hin und wieder mal vorgekramt, alte Moden auch. Doch dieser Mann kann zaubern. Immer wieder schafft er es, die Herzen von Kindern und Erwachsenen zu berühren. Mit immer wieder neuen Ideen. Und auch die alten höre ich immer wieder mit der gleichen Begeisterung. Lieder für die Seele. Sie haben mein Innerstes geprägt.  Ach, und über Prägung hatte ich ja auch schon mal was geschrieben

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Worte an einem Grab

7 Juni 2009 · Kommentar schreiben

„Helft euch gegenseitig beim Leben!“, sagte ein Priester am Grab der Tante meiner Freundin P.

Was der Priester am Grab meiner Tante sagte im letzten Jahr, weiß ich nicht mehr.  Ich weiß nur, mein Bruder war da, es waren Cousinen und Cousins  da, wir waren fast alle da. Und es tat gut, da zu sein. Eine fehlte. Die letzte lebende Schwester meiner Tante. Meine Mutter. Sie hat es nicht geschafft zu kommen. Sie hat es auch nicht geschafft, darüber zu reden. Ich vermute, sie ist in einem Netz gefangen. Dieses Netz sagt ihr Sätze wie: „Du hast einmal geschworen, dass du nie mehr mit ihr reden würdest, jetzt bleib auch dabei.“ Oder auch: „Ich setze meine Ehe nicht aufs Spiel.“ Oder was auch immer.

Es muss sehr schwer sein, mit solchen Sätzen zu leben. Ich maße mir nicht an, darüber zu urteilen. Aber ich gebe zu, es ist schwer für mich, das alles bei ihr zu lassen. Es macht mich manchmal traurig. Aber sie wird ihre Gründe dafür haben. Vielleicht wird sie einmal noch an dem Grab stehen und dann reden. Vielleicht auch nicht.

Ich bin sehr froh, dass ich da war und weinen konnte. Meine Tante hätte die Worte des Priesters von meiner Freundin auch sagen können. Und sie hätte sie zu Lebzeiten sicher auch gut brauchen können. Und wer weiß, vielleicht hat sie sie gesagt und auch bekommen.

Für mich sind diese Worte eine Art Credo. Was in meinen Kräften steht, will ich dafür tun. Und ich bemerke gerade -  das kommt zurück.  In Momenten, in denen man es kaum vermutet.

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Zwischen Suchen und (Er)Finden: Verschlungene Wege

7 Juni 2009 · 4 Kommentare

Neulich fragte mich ein Kollege, woher ich „immer diese Informationen“ hätte, als ich ihm von meinen letzten Fortbildungen erzählte.  Zuerst wusste ich weder, wie er seine Frage gemeint hatte noch wie ich darauf antworten sollte. Dann aber fielen mir zwei Geschichten solcher Wege ein, die ich ihm erzählte. Eine trug sich online zu, die andere offline. Der Verlauf dieser „Reisen“ lässt sich im Nachhinein fast nie genau nachvollziehen.  Doch am Anfang steht bei mir immer eine Frage (bewusst oder unbewusst), und ein Impuls der Neugierde. Manchmal auch ein Impuls, der ToDo-Liste auszuweichen. Am Ende steht (fast) immer eine Entdeckung, die weiterführen kann oder auch nicht. Die Freude darüber lohnt sich allemal.
Ergebnisse von Prokrastination mit Hintergrundfrage. Und diese präsentieren sich dann als Stück vom Ronjakuchen. Diesen pflege ich seit 1995. In manchen Zeiten kommen ständig neue Dinge hinzu, in ganz harten Zeiten kann ich von den Vorräten zehren. Wie Ronja Räubertochter, die für den Winter vorsorgt.

Hier ein Beispiel so einer Reise – von heute, Sonntag, dem 7. Juni 2009.

Noch etwas schlaftrunken entdeckte ich das Sprichwort von den morgendlichen Falten, das mir Nina gemailt hatte. Das nahm Gonfalef sofort in seine Sammlung auf. Alsdann beschloss ich, mich erst einmal offline zu entfalten. Etwas später schaute ich mir in Heide Liebmanns Blog einen wirklich lohnenswertes Video an, in dem Prof. Peter Kruse darüber spricht, wie man mit einem System in Resonanz gehen kann. Resonanz beschäftigt mich in der letzten Zeit immer mehr – die Vorstellung, dies etwas systematischer und bewusster als bislang  zu betreiben, finde ich reizvoll und erprobenswert.  Daher klickte ich dann weiter in meinen liebsten Blogs herum, fand bei Frank Obels wieder einmal ein Stichwort, das mich anhüpfte – es war „Seelenplan“. Leider blieb ich in diesem Punkt in seinem Blog etwas hungrig und suchte weiter nach (Lese)Futter. Da Känguru-Chroniken bei read it – dort war ich schon lange nicht mehr.  Zum Artikel über das Verstauen der Bücher zog es mich als Erstes, denn darüber denke ich selbst gerade nach.  Aha! Das war eine Blogparade. Vielleicht würde ich dort ein paar Anregungen finden. Wie machen es die anderen? Das Sortieren der Autoren nach Geburtsdatum erinnerte mich an den Helden aus Nick Hornby’s High Fidelity, der in Zeiten emotionaler Belastung gerne seine Plattensammlung nach irgendwelchen abstrusen Kriterien neu ordnet. Das Auffinden dieser Textstelle bescherte mir mein eigenes schallendes Gelächter, ich fühlte mich auf mysteriöse Weise ertappt. Schließlich las ich auf dem exzellenten aus.gelesen, wie flattersatz seine Bücher sortiert. Warum mir ausgerechnet gleich danach in seiner rechten Spalte der Artikel über Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern auffiel, kann und will ich mir nicht erklären. Ich habe diesem Artikel auch nicht viele Worte hinzuzufügen, denn spricht schon für sich. Doch dass mich aber angesichts dieser skurrilen Form, sich Lust zu verschaffen, die Neugier packte, versteht sich von selbst. Ich bin kein Mann, und ich habe keinen Koboldstaubsauger, die Neugier war also  eher geistiger Art und ich folgte den Quellenangaben, während sich in meinem Kopf  Worte formten, die ich hier zum Besten gebe (natürlich mit einem Dank an den großen Meister):

Hat die Koboldmeisterin
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun soll ihr Instrument
Auch nach meinem Willen leben
Ihre Wort und Werke
Merkt ich und den Brauch,
und mit Mannesstärke
tu ich Wunder auch.
Sauge! Sauge!
Kleiner Kobold,
Dass, zum Zweck
Erregung fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zum Orgasmus sich ergieße.

Seht, da kommt er saugend wieder
Wie ich mich nur auf ihn werfe
Gleich, o Kobold, lieg ich nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun muss ich hoffen,
atme nicht mehr frei!
Wehe! Wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte!

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass der Artikel zwar ein Highlight, bei weitem aber doch nicht das einzige dieser Art in diesem Blog ist. Mir gefallen viele der persönlichen Rezensionen sehr, und ich werde Read-it und aus.gelesen jetzt gleich auf meine „Wohin?“-Liste setzen. Danke an alle für diesen schönen Sonntagsausflug :-)

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Über den Schmutz

4 Juni 2009 · Kommentar schreiben

„Sauber ist schön und gut. Sauber ist hell brav lieb. Sauber ist oben und hier. Schmutzig ist hässlich und anderswo. Sauber ist doch das Wahre, schmutzig ist unten und übel, schmutzig hat keinen Zweck. Sauber hat recht. Schmutzig ist demgegenüber, sauber ist da denn doch, schmutzig ist wie soll man sagen, schmutzig ist irgendwie unklar, schmutzig ist alles in allem, sauber ist wenigstens noch, aber schmutzig das ist also wirklich.“

Christian Enzensberger, Größerer Versuch über den Schmutz, 1968

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