Hagebuttensenf

Beiträge vom April 2009

Die Welt- und Menschenbildfrage einmal anders geklärt

29 April 2009 · 1 Kommentar

Ein kleiner Junge kam zu seinem Vater und wollte mit ihm spielen. Der aber hatte keine Zeit für den Jungen und auch keine Lust zum Spiel. Also überlegte er, womit er den Knaben beschäftigen könnte. Er fand in einer Zeitschrift eine komplizierte und detailreiche Abbildung der Erde. Dieses Bild riss er aus und zerschnipselte es dann in viele kleine Teile. Das gab er dem Jungen und dachte, dass der nun mit diesem schwierigen Puzzle wohl eine ganze Zeit beschäftigt sei. Der Junge zog sich in eine Ecke zurück und begann mit dem Puzzle. Nach wenigen Minuten kam er zum Vater und zeigte ihm das fertig zusammengesetzte Bild. Der Vater konnte es kaum glauben und fragte seinen Sohn, wie er das geschafft habe. Das Kind sagte: „Ach, auf der Rückseite war ein Mensch abgebildet. Den habe ich richtig zusammengesetzt. Und als der Mensch in Ordnung war, da war es auch die Welt.“

(Autor unbekannt)

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Wie man einen Frosch kocht oder: Über die Bedeutung von Körpersignalen

28 April 2009 · Kommentar schreiben

Eben fand ich bei Jörg Petermann ein Video gefunden, das ich ziemlich gut finde.  Die ganze Website fand ich sehr inspirierend, auch wenn man sich nicht unbedingt für Webdesign und Suchmaschinen interessiert. Denn sie hat noch mehr zu bieten.

Aber nun zu dem Video:

Die Geschichte vom Frosch kenne ich schon länger, das Beispiel ist ein gut gewähltes, aber beileibe nicht das Einzige. Viele andere lassen sich finden, ob es nun der Staat ist, ein Unternehmen oder auch persönliche Beziehungen, in welcher Form auch immer. Der Frosch lehrt mich, wie wichtig es ist, auf Körpersignale zu achten und sie ernst zu nehmen, wenn ich gerade kein Thermometer zur Hand habe (und ich laufe selten damit durch die Gegend). Denn egal in welchem gemütlichen Wasser ich gerade sitze – es gibt immer externe Faktoren, die die Wassertemperatur beeinflussen. Außer natürlich, ich koche selbst schon vor Wut. Da kommt es dann auf die Größe des Behälters an!

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Psycho-Philosophie im Frankreich des 20. Jahrhunderts

27 April 2009 · Kommentar schreiben

Dies ist ein Brief in Alexandrinern, den mir eine liebe Freundin aus Paris am 8. November 1993 schrieb, und zwar in der rue L. in der Nähe der Champs-Elysées, von 13.45 bis 14.20 Uhr. Und wie es sich für anständige Intellektuelle in dieser Zeit gehörte, konnte sie einen PC  noch nicht bedienen. Auf dem Papier sah ich nur eine einzige Korrektur. Nicht erst seit diesem Tag, aber bis zum heutigen bin ich überzeugt, dass hier ein großes Talent am Werk war. Dagegen weiß ich bis zum heutigen Tag nichts über ihre Ambitionen, ihre Talente als Psyhophilosophin zu entwickeln, und auch nicht darüber, ob sie ihren Namen in der Öffentlichkeit mit ihren Werken verknüpfen mag, daher werde ich ihn auch nicht preisgeben.

Zu einer Zeit, als die Lebensberatung noch nicht so boomte wie heute,  wagte sie ein Experiment zusammen mit einem Freund. Sie gründeten einen gemeinnützigen Verein für Psychophilosophie und schauten mal, was passiert.  Hier also der Brief in leicht gekürzter, anonymisierter Originalfassung.

<< A mon allemande exilée

J’espère que cette fois ma petite missive
Arrivera bien vite entre tes blanches mains.
Je dois te l’avouer : passer sur l’autre rive
Sans être lucratif a des charmes certains.

Ainsi, dès le matin, j’arpente l’Avenue
Du fameux pas pressé de la femme d’affaires ;
Et d’un air absorbé j’atteins bientôt la rue
Théâtre d’entretiens que je ne vais point taire.

Un sexologue fou qui comptait m’envoyer
Quelques vieux impuissants comme premiers patients
Fut tout d’abord le seul à me téléphoner
Et à me harceler en ce mardi riant.

„Et pour une voyance quel est votre tarif ?“
Me demande bientôt le second appelant ;
Cet interlocuteur parlait d’un ton plaintif,
Je dus lui conseiller de voir un concurrent….

Quelques autres appels furent un peu plus sérieux,
Il me faut bien l’admettre : il s’agissait de femmes.
L’une d’entre elles vient de lointaine banlieue,
Et vendredi prochain compte bien voir Paname.

Je ne te dirai rien de cet énergumène
Qui à m’avoir en ligne devina sur le champ
L’être extraordinaire, qu’il convient que l’on mène
A de complets aveux pour bien passer le temps.

Dans ces longues journées, nous faisons la lecture
Mon secretaire et moi de délicieux romans.
Le temps passe très vite, et si nous n’étions sûrs
Que la fortune encore inévitablement

Nous échappât un peu en cette sombre histoire ;
J’ose te l’avouer, nous garderions sans doute
De cette expérience, un souvenir de gloire
Et de rires bien francs, et de joies que l’on goûte

Avec l’insouciance de personnes d’esprit
- Qui souhaiteraient te voir en leur docte caverne,
Pour que de leur succès tu connusses le prix,
Avant que pour Noel on posât les lanternes.

C. ; psycho-philosophe
D. ; secrétaire non rimailleur qui t’embrasse
>>


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Das Auge des Orkans

21 April 2009 · Kommentar schreiben

Nimrouz war tief bewegt von dieser Textstelle in Luise Rinsers „Mitte des Lebens“.  Deshalb heute statt eines normalen Artikels ein Zitat.

Ach, sagte sie, du verstehst mich schon. Ich wünsche mir ein einfaches Leben, ganz klar geordnet, mit bestimmten sauberen Grenzen, gleichmäßig, ohne größere Gefahren. Jetzt lachst du mich einfach aus.
Ja, sagte ich, jetzt lache ich dich aus, weil du dir das ja gar nicht wirklich wünschst.
So, sagte sie aufsässig, weißt du das so genau? Glaubst du denn nicht, dass ich es auch einmal satt haben könnte, immer so zu leben wie ein… ach, ich weiß nicht, wie ein Hase, über dem der Bussard kreist, Tag und Nacht?
Ehe ich etwas erwidern konnte, sagte sie leiste: Aber du hast ja recht, ich will es nicht anders, und ich will auch mit niemand tauschen.
Sie legte flüchtig ihre Hand auf meinen Arm, eine scheue, aber zärtliche Gebärde, die ich schon mehrmals an ihr bemerkt hatte.
Es klingt verrückt, sagte sie, aber es ist so: es gibt mitten im Schmerz eine windgeschützte Stelle, an die der Schmerz nicht gelangt, so heftig er auch ist, und an dieser Stelle sitzt eine Art von Freude, oder vielleicht nenne ich’s besser triumphierende Zustimmung.
Ja, sagte ich, das weiß ich.
Sie sah mich erstaunt an: Woher willst du das wissen? Du kennst mich doch kaum.
Doch ich weiß das. Ich spüre das, diese Unverletzbarkeit deines Wesens.

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Ähnlichkeit mit sich selbst

19 April 2009 · Kommentar schreiben

Dieser Tage, als ich alte Briefe suchte, sah ich mich veranlasst, den Karton mit den alten Briefen und Tagebüchern nach meinem letzten Umzug von vor fünf Jahren nun doch zu öffnen.  Die Briefe, die ich suchte, fand ich nicht. Ich habe allerdings bei der Gelegenheit gleich mal aufgeräumt und fand dafür mein allererstes Tagebuch, das ich zwischen 13 und 15 schrieb. Wie ich mich über meine rauchenden Eltern aufregte, was wir so anstellten um der Pubertät gerecht zu werden, wie ich die Welt sah und mir eine ideale Partnerschaft vorstellte, die Namen der Jungs, die ich bis dahin geküsst hatte, Geschichten über bösen Verrat und üble Nachreden. Und dann all die anderen Dinge. Man sollte öfter mal in diese Tagebücher schauen.

Mir war bisher überhaupt nicht klar, wie ähnlich ich mir eigentlich bin, so viele Jahre später. So im Innenleben, meine ich. Da sollte man doch meinen, mit all den Abenteuern und der Lebenserfahrung hätte man sich so sehr verändert… Ganz ehrlich, das dachte ich auch. Aber dann las ich diese Zeilen und war sowohl erschrocken als auch glücklich. Das, was ich noch vor ein paar Tagen für Ansätze von Weisheit hielt, die ich mir hart erarbeitet habe in all den Jahren, las ich fast fertig ausformuliert in den Tagebüchern, die ich zwischen 16 und 23 schrieb. Da frage ich mich doch: Was ist wohl in all den Jahren dazwischen passiert und warum habe ich Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung und ich weiß nicht wie schwere Auseinandersetzungen gebraucht, um dahin zu kommen, wo ich schon mal war? Was lehrt uns das?

1. Es ist alles schon da. Die Dinge, die ich damals aufschrieb, habe ich mir nicht ausgedacht und auch nicht unbedingt bewusst in der Lektüre gesucht. Vielmehr wurde ich hellhörig, wenn ich davon hörte. Der Rest kam aus mir selber. Man muss also nicht unbedingt viel tun, um seine innere Stimme zu hören.

2. Liebe Leser, die ihr Eltern seid: Nehmt die Gedanken und Impulse eurer Kinder ernst. Auch wenn sie erst 14 sind. Auch wenn es alles ganz anders ist, als ihr euch vorstellt. Auch wenn ihr das alles für unreifes Geschwafel haltet, sie grün hinter den Ohren sind und noch keine Ahnung haben vom „richtigen Leben“ und „der Realität“. Sie haben es mehr, als alle Beteiligten glauben mögen. Ich entdecke mit 42, dass ich mit 16 Dinge wusste, die ich eigentlich noch gar nicht wissen konnte.

3. Wir sollten gut auf unsere Träume aufpassen. Sonst könnte es sein, dass wir später viel Geld und Energie investieren müssen, um sie wieder auszugraben.

4. Man altert nur von 25 bis 30 – was sich bis dahin erhält, wird sich wohl auf immer erhalten. Friedrich Hebbel

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Endlich Frühling. Und davor?

17 April 2009 · Kommentar schreiben

Natürlich wieder durch Zufall fand ich ein Gedicht von Friedrich Wilhelm Weber.

„Es wächst viel Brot in der Winternacht,
Weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
Erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
Spürst du, was Gutes der Winter tat. –
Und deucht die Welt dir öd und leer,
Und sind die Tage dir rau und schwer,
Sei still und habe des Wandels acht:
Es wächst viel Brot in der Winternacht.“

Was tat der Winter wohl Gutes? Wofür war all das Leiden gut? Ist da Brot gewachsen? Essen kann ich es wohl noch nicht, aber ahnen. Was passiert, wenn wir ahnen, dass da Brot an winterlichen Bäumen wächst?  Ist das wohl Hoffnung?

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muß doch Frühling werden.

Emanuel Geibel

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